Charakterstärken

Blogparade zum Thema #WassindStärken?

Obwohl dies ein sehr spannendes Thema ist, wollte ich mich gerade jetzt nicht daran beteiligen, weil das Thema so komplex ist und hier auch schon sehr viele Aspekte beleuchtet wurden.

Dann las ich in der vergangenen Woche den Beitrag von
Lars Hahn auf Systematisch Kaffeetrinken.de
Berufliche Stärken per Systematisch Kaffeetrinken erkunden
der mich doch so richtig ins Nachdenken gebracht hat.

Meine erste Reaktion darauf: „Hey, das ist doch mal eine schön griffige Herangehensweise, die weiterhilft.“

Auftritt meines inneren Kritikers:

„Na, hör mal, in Deinen Laufbahngruppen und Beratungen unterscheidest Du zwischen Stärken, Fähigkeiten und Interessen/Neigungen und lässt alle drei einzeln herausarbeiten. Und hier bist Du begeistert darüber, dass Dir Lars Hahn die Stärken in einer Art Formel erklärt, indem er definiert: „Stärken = Fähigkeiten + Neigungen“. Wie geht das denn zusammen?“

Ja, ja, geschätzter Kritiker, wie immer gut beobachtet. Aber diese Definition stimmt doch trotzdem auf ihre Weise:

Wenn ich etwas kann,…

„Du sprichst von Fähigkeiten? …“

Ja, wenn ich eine Fähigkeit gerne einsetze, werde ich sie so oft es geht zum Einsatz bringen. Dadurch werde ich in dieser Fähigkeit immer besser bis hin zur Meisterschaft.

„Du meinst, die Fähigkeit, wenn Gern und immer wieder ausgeübt, wird zur Stärke?“

Jetzt, lieber Kritiker, bin ich verunsichert. Ist eine Stärke eine gern ausgeübte Fähigkeit?

„Mir ist noch etwas aufgefallen, Brigitte, das kann Dir doch nicht entgangen sein:

„Hat Lars Hahn nicht beschrieben, dass er Tätigkeiten ausgeführt hat, die seinen „Neigungen nicht entsprachen“?“

„Ist das nicht eher der Knackpunkt?“

Du fragst mich, ob es nicht eher die nicht berücksichtigten und nicht zum Einsatz gebrachten Neigungen waren, die Lars Hahn die Arbeit vergällten?

Tja, das könnte gut sein; denn es gibt Untersuchungen über den Zusammenhang von nicht gelebten Interessen und gesundheitlichen Störungen. Und das verwundert nicht, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie belebend es ist, wenn wir uns einem Interesse widmen, also einer Beschäftigung nachgehen, die wir lieben. Verena Kast hat den Interessen ein ganzes Buch gewidmet.

Damit sind wir aber beim Thema Neigungen und Interessen gelandet und das ist gar nicht Thema hier.“

„Genau, Thema verfehlt. Setzen bitte.“

Also zurück zu den Stärken. Darf ich noch mal?

„Vielleicht geht es hier ja gar nicht um die trockene Definition von Stärken, sondern aufzuzeigen, mit welchen Hilfsmitteln oder Herangehensweisen sich unsere Klienten an die eigenen Stärken herantasten können und da gilt:

Wichtig ist, was weiterhilft. Und hilfreich ist die „Formel“

„Kann ich gut + mach’ ich gern“  wird zur Stärke  im beruflichen Kontext auf jeden Fall.

„Na, meine Liebe, da hast Du Dich ja wieder fein aus der Schlinge gezogen“, mault der Kritiker, „wirst Du das dann auch so Deinen Ratsuchenden gegenüber erklären, wenn sie fragen, wie sie ihre Stärken herausfinden können?“

Nein. Es ist Lars Hahns Hilfsmittel, von der ich noch nicht so überzeugt bin, dass ich sie in mein System übernehme

„Willst Du dann jetzt noch etwas zu Deinem Verständnis von Stärken sagen oder wolltest Du hier nur aufbegehren, weil Dir jemand Deine Sichtweise zu Stärken verdreht hat?“

Habe ich denn aufbegehrt? Die Darstellung hat mich doch nur nachdenklich gemacht und das wollte ich zum Ausdruck bringen. Außerdem kann ich von mir behaupten, dass ich die Kunst, mit Widersprüchlichem umzugehen, recht gut beherrsche und diese Kompetenz werden wir in der Zukunft sehr gut brauchen.

„Peng, selbst ein Bein gestellt – oder wolltest Du jetzt anstatt über Stärken von Kompetenzen sprechen oder gar sagen:
Stärke = Kompetenz?“

Nein, das will ich nicht. Aber gemach, lass mich doch etwas entwickeln. meine assoziativen Gedanken auseinander zu halten und alles nacheinander zu sprechen und nicht parallel.

Ich wollte versuchen, am Beispiel des Aushaltens von Widersprüchlichkeiten zeigen, dass in dieser Kompetenz mehrere Stärken zum Ausdruck gebracht werden können. Nämlich

Urteilsvermögen: bedeutet, Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und auf diese Weise Argumente für Entscheidungen zu entwickeln.

Bescheidenheit: Bescheidene Menschen können eigene Fehler und Mängel zugeben.

Soziale Anpassungsfähigkeit: Sozial anpassungsfähige Menschen können verschiedene Sichtweisen einnehmen.

Tapferkeit: bedeutet, sich einem Problem zu stellen, unbeliebte Meinungen zu vertreten und seinen Ängsten ins Gesicht zu sehen.“

So, So. Na, wie hast Du das wieder hingekriegt?“

Nun, ich habe mich mit der positiven Psychologie beschäftigt. Dort bedient man sich der Tugenden, um Charakterstärken zu beschreiben. In jeder der sechs Tugenden findet man Persönlichkeitseigenschaften, die sich im Verhalten eines Menschen erkennen lassen. Diese Persönlichkeitseigenschaften sind Charakterstärken.

So und nun dürfen Sie mich gerne kommentieren.
Ich bin gespannt darauf.

Oder wollen Sie etwa mit mir arbeiten, um Ihre Stärken zu ermitteln?

Tja, gerne 🙂 Nur mutig hereinspaziert …

 

Ein Gedanke zu „Charakterstärken“

  1. Persönlichkeitseigenschaften sind Charakterstärken.
    Das ist aber nun auch ein wenig zu kurz. Eigenschaften sind für mich die am wenigsten hilfreichen Komponenten von Stärken. Sie sind nämlich in der Regel kaum veränderbar oder ausbaufähig. Ansonsten einverstanden: Positiv ist angesagt.
    Allerdings bleibe ich bei Stärken = Fähigkeiten plus Neigungen
    -gerne mit der Erweiterung der Formel (und Eigenschaften und Wissen haben auch Einfluss).
    😉

    Übrigens der Vollständigkeit halber noch der Link zum oben genannten Artikel:
    http://systematischkaffeetrinken.de/2016/04/12/was-sind-berufliche-staerken/

    Und danke für den konstruktiv kritischen Beitrag und liebe Grüße!
    Lars Hahn

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