Von der Berufswahl zur Zufriedenheit im Beruf

Wie geht das?

In jungen Jahren wählen wir eine Ausbildung oder ein Studium, das schon irgendwie zu uns zu passen scheint. Wenn wir gut auf uns aufpassen, Möglichkeiten nutzen und auch einmal etwas wagen, öffnen sich im Laufe unserer Berufstätigkeit Türen, die uns immer mehr mit unseren Interessen und unserem Können in Verbindung bringen, bis wir im besten Fall in unsere Berufsrolle hineingewachsen sind und wir unsere Berufsidentität gefunden haben.

Den „richtigen Beruf“ zu finden ist für fast jeden Menschen eine echte Herausforderung. Das weiß ich aus meiner langjährigen Erfahrung als Berufs- und Laufbahnberaterin. Dabei ist es ganz gleich, ob es sich um die erste Berufswahl oder um eine spätere berufliche Neuorientierung handelt. Denn wenn wir uns beruflich orientieren, befinden wir uns in einer sehr komplexen Entscheidungssituation. Wir fühlen uns von unserem sozialen Umfeld und der Gesellschaft aufgefordert, richtig zu wählen. Und wir sollen die Berufswelt da draußen mit ihren vielen Möglichkeiten und lockenden Angeboten so weit wie möglich mit unserer Innenwelt in Einklang bringen.

Das ist ein komplexer Abstimmungsprozess, der mit der Selbsterkundung beginnt. Sich selbst zu erkunden braucht Zeit, Zuwendung und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Das bedeutet Arbeit an sich selbst!

Die gute Nachricht.

Sie haben es schon einmal gemacht, nämlich bei Ihrer ersten Berufs- oder Studienwahl. Damals waren Sie allerdings noch unerfahren und in einer ganz anderen Lebenssituation als heute. Wenn Sie heute vor einer beruflichen Neuorientierung stehen, haben Sie die Chance, es besser zu machen. Dabei geht es nicht darum, diesmal alles richtig zu machen. Es ist der nächste Schritt auf Ihrem Weg, von dem Sie ja noch nicht wissen, wann er zu Ende ist. Da Sie aber jetzt viel mehr wissen als in Ihrer Sturm- und Drang-Zeit, können Sie Ihre Erfahrungen mit einbeziehen.

Wie war es für Sie bei Ihrer ersten Berufs-und Studienwahl?

Wie sind Sie vorgegangen?
Wer hat Sie unterstützt?
Erzählen Sie im Kommentar davon! Sie helfen mit Ihrem Beispiel anderen, eigene Kriterien zu entdecken und auf sich zu vertrauen.

Hier die Geschichte, wie es bei mir war:

Als blinde Schülerin habe ich in den Schulferien viel Zeit vor dem Radio zugebracht. Das waren die Jahre der Beatles, der rolling Stones, Bob Dylan, aber auch der französischen Chansonniers und einiger italienischer Schlagersänger. Es gab noch Mittel-, Kurz- und Langwelle und vor allem auf Kurzwelle konnte ich viele Fremdsprachen hören. Die klangen schön und fremd und machten mächtig Eindruck auf mich. Das klang nach fremden Ländern und weckte die Sehnsucht in mir zu reisen.

Es war meine Mutter, die die Idee aufbrachte, dass Dolmetscherin ein interessanter Beruf für mich sein könnte.

In der Oberstufe war ich mir dann sicher, dass mir Sprachen leicht fallen und dass mir diese Begabung auch Spaß macht. So wurde die Idee zum Wunsch, Dolmetscherin zu werden und ich entschied mich für Französisch und Italienisch.

Dabei stellte ich mir vor, wie ich damit in der Welt herumkommen, mich immer wieder mit neuen Themen beschäftigen und meine Sprachkenntnisse auf diesen Gebieten optimieren würde.

Mit diesem konkreten Plan habe ich im Jahr des Abiturs gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe erwischt: Zum einen war ich sicher vor den lästigen Fragen meiner Mitschüler und Lehrer:
„Weißt Du schon, was Du studieren willst?“
„Ja, ich werde Dolmetscherin für Französisch und Italienisch. Englisch kann ich ja sowieso.“
und zum anderen musste ich mich während der anstrengenden Abiturvorbereitung nicht auch noch um dieses schwierige Thema meiner Studienwahl kümmern.
Ha, das war fein!
Ich hatte einen Plan, auf den ich hinarbeiten konnte.
Was es mit der Berufstätigkeit als Dolmetscherin so auf sich hat, ob ich das alles kann und ob dieser Beruf wirklich zu mir passt, mit solchen Fragen belastete ich mich damals nicht.
Nach dem Abi habe ich meinen Plan dann auch mit großem Engagement verfolgt.

Ganz unbefangen ging ich erst einmal für eineinhalb Jahre nach Frankreich und Italien, um meine Sprachen auf Vordermann zu bringen. Danach fing ich das Studium der Politikwissenschaft an, das ich für eine ideale Vorbereitung auf die Dolmetscherausbildung hielt.

Dabei tauchten plötzlich ganz andere Interessen und Fähigkeiten auf und andere Fragen wurden für mich wichtig. Mein Studium war dennoch nicht vergebens, denn meine gewählten Fächer bildeten einen soliden Sockel für das, was noch kommen sollte, aber noch nicht sichtbar war. So meldete ich mich zum Beispiel für ein Hauptseminar „Literatur und Psychoanalyse“ in meinem Nebenfach Romanistik an. Während meiner Schulzeit hatte mich die Psychologie noch gar nicht interessiert. Aber in meiner späteren Tätigkeit als Berufs- und Laufbahnberaterin kommt mir dieses Interesse natürlich sehr zugute.

Ich spreche immer noch gern Französisch und Italienisch und reise gern in diese Länder. Es gelingt mir gut, meine Sprachkenntnisse im Bedarfsfall schnell zu aktivieren. Aber sie gehören nicht mehr zum Kernbereich meiner Berufstätigkeit.

Heute könnte ich sagen: Ich habe meine Berufung gefunden, obwohl ich es nicht so benennen möchte, weil es das einfach nicht trifft.

ich bin mir dennoch heute sehr sicher, dass ich den richtigen Beruf und meine berufliche Identität gefunden habe. Damit bin ich zufrieden.

Ich freue mich, wenn Sie etwas dazu sagen :-)

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